Dissoziale Persönlichkeitsstörung
(Die Dissoziale Persönlichkeitsstörung bei Kindern und Jugendlichen)
Diagnose
»Du Psychopath!« So oder so ähnlich werden Menschen, die an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung erkrankt sind, umgangssprachlich des Öfteren fälschlicherweise gebrandmarkt.
Doch ab wann genau ist man eigentlich sozial gestört? Laut dem ICD-10 müssen mindestens drei der nachfolgenden Kriterien erfüllt sein, um mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung diagnostiziert zu werden (diese Richtlinien gelten nur für Personen, die 18 Jahre oder älter sind):
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Mangelnde Empathie und Gefühlskälte gegenüber anderen
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Missachtung sozialer Norm
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Beziehungsschwäche und Bindungsstörung
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Geringe Frustrationstoleranz und impulsiv-aggressives Verhalten
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Mangelndes Schulderleben und Unfähigkeit zu sozialem Lernen
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Vordergründige Erklärung für das eigene Verhalten und unberechtigte Beschuldigung anderer
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Anhaltende Reizbarkeit
Herleitung des Wortes über das Lateinische
Das Wort »dissozial« setzt sich aus den zwei lateinischen Wörtern »di« und »socius« zusammen. Die Vorsilbe »di« bedeutet wörtlich »weg«, beziehungsweise »weg von«, während das Adjektiv »socius« mit »verbündet« oder »gemeinsam« übersetzt wird. Zusammengesetzt bezeichnet das Wort dissozial also die Entfernung von der Gesellschaft, beziehungsweise der soziale Norm.
Diese Entfernung kann laut Prof. Dr. med. Volker Faust von verschiedenen Ursachen herrühren. Zum einen, wenn bei einem oder beiden Elternteilen die Krankheit vorliegt, also durch Vererbung. Zum anderen ist er der Ansicht, dass es auch an einer Vernachlässigung in der Kindheit liegen könnte, wenn die Eltern sich also nicht gut genug um das Kind kümmern. Noch schlimmer in seinen Augen wäre jedoch, wenn eine Kombination dieser beider Ursachen stattfinden würde, das betroffene Kind also ein antisoziales Verhalten erben würde und ihm zudem zu wenig Aufmerksamkeit von Bezugspersonen zu Teil werden würde.
Die Studie im Bezug auf die Spezialisierung
Obwohl ein Psychiater, mithilfe des ICD-10, eine Person, erst mit dem Eintritt in die Volljährigkeit, mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung diagnostizieren kann, stellte eine Berliner Studie im Jahre 1996 einige Symptome zusammen, die für eine Dissozialität bei Jugendlichen steht. Diese sind:
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Labilität (Bindungsschwäche, Belastungsschwäche)
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Impulsivität (Schulschwänzen, Weglaufen, Bummeln)
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Aggressivität (Aggressionen gegen Personen, Aggressionen gegen Objekte)
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Kriminalität (häufig als Eigentumskriminalität, Wiederholungskriminalität, Frühkriminalität)
Außerdem erkannte die Studie eine geringere Intelligenz, bei dissozialen Jugendlichen, wie folgendes Diagramm veranschaulicht.
Die Abbildung zeigt die Intelligenzmaße von 1037 dissozialen männlichen Minderjährigen (1) nach dem »Intelligenz-Struktur-test« von Amthauer verglichen mit der Normalpopulation des testautors (II). Mittelwert der Intelligenz-Quotienten von I: 84,6. Mittelwert der Intelligenz-Quotienten von II: 100.
Paul Tebbe